Stofanel

„Es ist unser Anliegen, die Umwelt zu respektieren und die Welt nicht zu mißbrauchen. Wir wollen etwas Positives für Mensch und Welt schaffen.“

Welche Positionen nehmen Sie gegenwärtig bei Stefanel und Stofanel ein?

Zur Zeit gehöre ich bei Stefanel dem Aufsichtsrat an. Ich verfolge die Entwicklung des Unternehmens sehr genau.

Hier bei STOFANEL bin ich Art Director. Ich bin für alles zuständig, was Ästhetik und Lifestyle, ihre Koordination und Integration anbelangt.

Was haben Sie früher bei Stefanel gemacht?

Auch dort war ich Art Director. Mit achtzehn fing ich als Designerin an. Ich hatte gerade ein Psychologiestudium aufgenommen, als mein Vater sagte: „Komm’ zu Stefanel. Vielleicht gefällt es dir bei uns.“ Und es gefiel mir sehr. Das Unternehmen entwickelte sich so schnell, dass ich bald nur noch dort gearbeitet habe. Das waren faszinierende Zeiten. Von einer kleinen Firma wuchsen wir zu einem sehr erfolgreichen Großunternehmen. Damals arbeitete ich nahezu Tag und Nacht.

Anfangs entwarf ich ganz allein eine vollständige Kollektion. Schließlich kamen noch andere Leute hinzu: Ich leitete ein Team von Designern und Technikern für die Produktion. Mein Team war für den gesamten Kreativbereich zuständig: Kollektionen, Werbung, Marketing. Als ich ging, umfasste es 100 Mitarbeiter.

Ich arbeitete mit meinem Vater, meiner Mutter und meinem Bruder zusammen. Wir wuchsen gemeinsam. Jeder arbeitete auf seinem Fachgebiet. Wir waren ein richtiges Familienunternehmen. Als Vierjährige spielte ich mit meinen Puppen zwischen den Strickwaren.

Hat ihr Vater Stefanel gegründet?

Mein Vater begann mit einer Firma, die für Großhändler produzierte. Mein Bruder schließlich gründete Stefanel und zwei Jahre später kam ich in das Unternehmen. Mein Bruder und ich entwickelten das Stefanel-Franchising.

Heute arbeiten für uns direkt oder indirekt weltweit 6.000 Menschen.

Sie hatten keine Design-Ausbildung?

Nein, das war learning by doing, genau wie heute, schließlich bin ich keine Architektin. Ich habe einfach ein starkes ästhetisches Gespür. Schon mein Leben lang habe ich Neues sehr schnell erkannt und angepackt. Das ist mir wohl in die Wiege gelegt worden.

Das Unternehmen Stofanel ist für sein hohes soziales Verantwortungsbewusstsein bekannt. Ist das auch Ihre persönliche Einstellung?

Ja, das entspricht ganz und gar meiner Persönlichkeit. In meinem Alter noch einmal nur für Geld zu arbeiten, interessiert mich nicht besonders. Mein Mann und ich, wir wollen etwas Gutes hinterlassen. Wir legen großen Wert auf Ökologie und Respekt vor der Schöpfung. Ich glaube fest daran: Wer Gutes tut, erfährt Gutes. Wer Böses tut, dem widerfährt auch Böses. Deshalb ist es unsere Maxime, die Umwelt zu respektieren und die Welt nicht zu missbrauchen. Wir wollen einfach etwas Positives für Mensch und Welt schaffen.

Dafür kann man täglich etwas tun. Wer nicht mit der Welt in Einklang steht, kann auch nicht mit sich selbst im Einklang stehen. Ich liebe das Leben. Ich glaube das Leben liebt mich auch. Ich liebe die Welt und ich denke, die Welt liebt mich. Das wird möglich, wenn Sie der Welt, Ihrer Umgebung und sich selbst nicht negativ gegenüber treten. Es kommt auf die Balance zwischen diesen Faktoren an. Man muss sich selbst respektieren. Man muss die Welt und andere Menschen respektieren.

Heute bin ich älter und mir über meine Gefühle und Ideen besser im Klaren. Mit 18 oder 20 hat man Träume. Die habe ich heute auch noch, aber sie sind viel realistischer. Die letzten 30 Jahre haben mich viel gelehrt. Ich weiß, dass Träume wahr werden können.

Wann kam Ihnen die Idee zu Stofanel?

Die Idee dazu hatten wir vor zwei Jahren. Mit meinem Ehemann entdeckte ich das Immobiliengeschäft. Mir viel auf, dass in dieser Branche vieles schief lief. Mein Mann förderte mein Interesse für das Immobiliengeschäft. Er stellte es sehr schlau an, denn eigentlich wollte ich keine Geschäfte mehr machen. Ich wollte mich stärker sozial engagieren, z. B. für unsere Family Stoffel Foundation in Nepal.

Aber ich erkannte, dass ich meine Ideale auch in das Immobiliengeschäft einbringen kann. In diesem Geschäft dreht sich wirklich fast alles nur um Geld. Die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, interessiert niemanden. Sie schlagen einen Katalog auf und sehen, wie auf einem wunderschönen, naturnahen Stück Erde 300 Häuser hintereinander aufgereiht werden. Furchtbar! Dadurch werden so viele schöne Orte zerstört. Ich verstehe nicht, warum niemand ein Gespür dafür hat. Jeder Mensch ist anders, besonders. Wie kann man dann 300 Leute in Häuser stecken, die exakt einander gleichen?

Wenn man kauft oder mietet, möchte man vieles umgestalten, damit man sich richtig wohl fühlen kann. Aber vielen Menschen fehlen dafür Zeit und Gelegenheit.

Ich denke, mit Bekleidung verhält es sich gleichermaßen. Man hat einen Grundschnitt, den man dann dem individuellen Körper anpasst. Genauso entwerfen wir ein Haus. Davon sind 50-60% vorgegeben, die übrigen 40% gestalten wir individuell nach den Wünschen der Käufer. Je nachdem ob es eine Familie, ein Single, eine Frau oder ein Mann ist.

Wie ist das, wenn man so eng mit dem Ehemann zusammenarbeitet?

Wir ergänzen uns. Wo seine Stärken liegen, da habe ich Schwächen und umgekehrt ist es meist genauso.

Bitte beschreiben Sie in drei Worten Ihre geschäftliche Herangehensweise.

Mit Herz, Bauch und Verstand.

Gibt es Unterschiede zwischen dem Entwerfen von Mode und von Innenausstattungen?

Ein Haus ist das Kleid eines Lebens. Ein Kleid ist das Haus für den Körper. Darin sind sie nicht so verschieden. Ein Haus ist allerdings konkreter und bietet einiges mehr: In ein Haus können Sie sich zurückziehen. Sie fühlen sich darin sicher und machen es sich bequem. In einem Kleid fühlen Sie sich stark und schön. Es sind unterschiedliche Werte, aber ähnliche Bedürfnisse, die befriedigt werden. Natürlich sind auch die technischen Aspekte völlig verschieden. Aber die Gefühle, die Sie dabei hervorrufen, sind ganz ähnlich.

Wann begannen Sie und Ihr Mann mit dem Sammeln von Kunst?

Wir beide haben als Kinder damit begonnen. Das ist eine gemeinsame Leidenschaft. Ich bin ein kreativer Mensch und ich schätze Kreativität. Mein Mann konnte sich damit von der Geschäftswelt lösen und sich seine Sensibilität bewahren.

Kunst inspiriert. Sie können mit ihr auf Reisen gehen. Wenn Sie ein Bild betrachten, halten Sie inne und erfahren doch etwas ganz Neues. Mit Kunst bilden Sie sich selbst und Ihren Geschmack.

Welche Rolle spielt der Umweltschutz für Stofanel?

Ein ökologisches Bewusstsein ist für uns äußerst wichtig. Für mich ist Luxus heutzutage ökologisch. Luxus drückt sich nicht mehr durch Gold und Marmor aus wie für frühere Generationen. Ich bevorzuge die ganz einfachen Dinge. Luxus ist für mich alles, was das Leben erleichtert und verschönt.

Was ist italienischer Stil?

Er steht für eine bestimmte Lebenseinstellung. Uns dienen das Leben, die Mode, unser Körper und Häuser dem Genuss.

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